Naturschutzgebiet ''Fröslev-Jardelunder Moor''

Fröslev Jardelunder Moor
Man muss schon sehr viel Geduld mitbringen, wollte man einem Hochmoor wie dem Frøslev-Jardelunder Moor bei der Entstehung zuschauen. Das Torfwachstum beträgt pro Jahr nur etwa einen Millimeter. Die Bildung von Hochmooren ist deshalb ein sehr langsamer Prozess, der Jahrtausende dauern kann.
 
typische Schlenke (flacher Tümpel) im Hochmoor Was also gibt es dann im nördlichsten Moor Deutschlands zu erleben?

Hier kann man die typischen Tiere und Pflanzen eines Hochmoores sehen. Darunter die Pflanze, die für das alles verantwortlich ist. Es ist im Wesentlichen tatsächlich nur eine Pflanze, noch dazu eine scheinbar primitive, die ein Hochmoor entstehen lassen kann: Das Torfmoos (Sphagnum ssp.). Es gibt nur eine Gattung, aber die umfasst rund 300 Arten.

Das Torfmoos wächst etwa zehn Zentimeter im Jahr und das ganz ohne Wurzeln. Es lebt nur der obere Teil, während der untere durch Lichtmangel abstirbt.
Doch der abgestorbene Teil wird im Moorwasser nicht vollständig abgebaut und behält seine Fähigkeit, Wasser zu speichern. Damit hält das Torfmoos das Regenwasser fest und hebt den Wasserspiegel des Moores immer mehr an. Das Mooswachstum eines Jahres wird nach dem Absterben auf etwa einen Millimeter Torf zusammengepresst. So also wächst ein Hochmoor.
 
Doch das Torfmoos kann noch viel mehr: Es steuert aktiv die Artenzusammensetzung des Moores. Denn Torfmoose entziehen dem Regenwasser die ohnehin schon wenigen Nährstoffe und lagern sie ein — mehr als sie selbst brauchen — bis es fast destilliertem Wasser entspricht. Dabei säuern sie das Moorwasser auch noch beinahe bis auf Essigniveau an. Nur wenige Spezialisten halten es deshalb mit dem Torfmoos aus. Und sie sind nicht weniger interessant. Zu ihnen gehören das Wollgras und der fleischfressende Sonnentau.

Ein hoher Wasserstand, Nährstoffarmut, ein saures Milieu sowie große Temperaturunterschiede führen also zu dieser einzigartigen Pflanzen- aber auch Tierwelt. Mit ihrer weitgehend baumfreien Vegetation stellen Moore für viele vom Aussterben bedrohte Tierarten letzte Rückzugsgebiete dar. Birkhuhn, großer Brachvogel und Bekassine sind auf die ungestörten und geschützten Brutplätze angewiesen. Aber auch seltene Wasserfrösche, Libellenarten, Eidechsen, Ringelnattern, Kreuzottern, Unken und Erdkröten sind hier anzutreffen.
Torfmoos mit Glockenheide
 

Info-Hütte am Frøslev-Jardelunder Moor

Im Frøslev-Jardelunder Moor mit seinen extremen Lebensbedingungen kann man diese Spezialisten kennen lernen. Auf der deutschen Seite ist das Moor durch einen 2,5 Kilometer langen Naturerlebnispfad zugänglich. Schautafeln erklären Pflanzen, Tiere, Entstehung, Ökologie und auch die Gefährdung des Hochmoores — aufgrund der grenzübergreifenden Ausdehnung des Naturschutzgebietes natürlich auch in Dänisch.

Das Frøslev-Jardelunder Moor ist sicher etwas für speziell Interessierte. Anderseits kann man es hier auch werden. Vor allem wenn man darüber nachdenkt, dass es in ganz
Schleswig-Holstein nur noch 543 Hektar Moorflächen in diesem natürlichen Zustand gibt. Das entspricht der Fläche des Flughafens Hamburg-Fuhlsbüttel.
 
Informationen: Fröslev-Jardelunder Moor

Lage
zwischen Ellund und Süderlügum an der Grenze zu Dänemark, Nähe Flensburg

EMail-Adresse
Jagdverband-sh@t-online.de

Ansprechpartner
Landesjagdverband Schleswig-Holstein e.V., Böhnhusener Weg 6, 24220 Flintbek Telefon 04347-9087-0

Anfahrt per PKW oder sonstige Anfahrtsmöglichkeiten
A 7 Richtung Dänische Grenze, bis zur Anschlussstelle 2 (Flensburg/Harrislee), dann B 199 ein kurzes Stück nach Westen bis zur Abzweigung nach Ellund, dort auf der L 192 (Grenzstr.) bis Jardelund, rechts abfahren (zur Fehle), nächste Möglichkeit rechts.

Führungen
Dauer der Führung: ca. 2,5 Std., Steckenlänge: ca. 3,3 km
Wegzustand: z.T. Pfad
Besonderes: festes Schuhwerk
Termine: siehe im Veranstaltungskalender http://www.naturkundemuseum-niebuell.de
Führungen für Gruppen und Schulklassen nach Vereinbarung

Besonderheiten
Die Führung erfolgt auf dem offiziellen Rundwanderweg. An den einzelnen Stationen werden die frühere Nutzung, die Renaturierungsmaßnahmen und das Moor als Lebensraum erläutert. Auf botanische Besonderheiten der verschiedenen Moorpflanzen wird hingewiesen

Letzte Aktualisierung: 16.3.2006